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merkeln.de

Anmerkelungen zur Entwicklung der deutschen Sprache

 

Merkeln bedeutet, eine Fragestellung oder ein Problem auszusitzen, also keine Entscheidung zu treffen und sich nicht genau festlegen. Es gibt immer ein "sowohl - als auch".

Der Vorsitzende der SPD Sigmar Gabriel hat einen Bock geschossen. Das tut er gerne und mit grosser Treffsicherheit. mehr dazu weiter unten.

Das Wort merkeln ist ethymologisch (von der Herkunft her) verwandt mit dem Substantiv "Merkel" (der Merkel, gelegentlich auch das Merkel) mit dem die Zeitspanne bezeichnet wird zwischen dem Auftreten einer durchschnittlich schwierigen Frage und der Formulierung von Lösungsansätzen.

Als physikalische Grösse würde man das Beharrungsvermögen eines Körpers in "Merkel" ausdrücken können.

Grundsätzlich ist das Merkeln erlernbar. Allerdings deuten aktuelle Untersuchungen darauf hin, dass es in Ballungsräumen - wie z.B. in den Landeshauptstädten und der Stadt Bonn - deutlich verbreiteter zu sein scheint, als auf dem flachen Land.

Routinierte Merkler finden sich aber in allen Gesellschaftsschichten und in allen Berufen.

Redewendungen wie "um den heissen Brei herummerkeln" sind Pleonasmen wie weisser Schimmel, runde Kugel oder weibliche Bundeskanzlerin. Sie sollten deshalb ausserhalb literarischer Werke nicht oder nur mit grösster Zurückhaltung als Stilmittel verwendet werden.

Wortzusammensetzungen mit dem Verb merkeln sind aber durchaus möglich, z.B. das Wort "steinmerkeln". Dabei ist zu beachten, dass das Partizip von steinmerkeln gesteinmerkelt heisst und nicht etwa steingemerkelt. Voraussetzung des Steinmerkelns ist allerding der aus dem Schach bekannte Röslersprung.


Ein neuer Stern geht auf am deutschen Sprachhimmel: Das "Durchwurschteln". Dieser eigentlich alte Begriff wurde Mitte November 2012 durch den deutschen Finanzminister populär gemacht.

Durchwurschteln (auch durchwursteln, englisch: muddeling through) soll ausdrücken, dass einem eine Sache "Wurst (Wurscht) ist", dass es einem egal ist, wie es letztlich aus- und weitergeht, wichtig ist einzig und alleine, dass es vorwärts geht. Dabei wird beim durchwurschteln (umgangssprachlich auch "schäubeln") nicht ganz klar, in welche Richtung etwas gehen soll, Hauptsache vorwärts.
Vorwärts definiert sich bekanntlich als "nach vorne" und vorne ist, wo die Bundesregierung ist und wenn die Bundesregierung hinten ist, dann ist eben hinten vorne.

Zur Problematik dieser Politik des Durchwurstelns bemerkt Henrik Enderlein, Wirtschaftsprofessor an der Berliner Hertie School of Governance in der „Welt am Sonntag“ im April 2015: „Dabei kann die Währungsunion in ihrer jetzigen Verfasstheit nicht überleben. Die Politik des Durchwurstelns wird besser als jede Krise die Währungsunion zum Einsturz bringen.“

Es wäre bestimmt interessant gewesen, den Begriff "sich durchwurschteln" zum Unwort des Jahres zu wählen. Aber was bisher nicht geklappt hat, kann ja vielleicht noch werden . . .

Richten Sie diesbezügliche Vorschläge bitte an

Prof. Dr. Martin Wengeler: vorschlaege(at)unwortdesjahres.net


Herr Gabriel ist Lehrer, u.a. für Deutsch. Da sollte man wohl davon ausgehen, dass er der deutschen Sprache einigermassen mächtig ist. Er sollte also eigentlich wissen, was der Unterschied ist zwischen "kümmern und "sich kümmern":
Kümmern bedeutet "kraftlos vor sich hin vegetieren (bei Mensch, Tier, Pflanze), auch in übertragener Bedeutung". In der Jägersprache ist ein Kümmerer ein Reh oder Hirsch mit einem kümmerlich entwickelten Gehörn bzw. Geweih.
Sich um eine Sache kümmern hingegen ist etwas sehr positives, nämlich "sich um eine Angelegenheit Gedanken machen" und die daraus erwachsenden Aufgaben erledigen.

Warum aber bezeichnet der Mann dann seine Partei als eine Partei der Kümmerer??? Der Focus berichtet am 8.12.2012 über ein Interview, das Gabriel wohl der Bildzeitung gegeben hat und stellt fest: "Insgesamt werde die Wahl 2013 zu einem Duell „Kümmerer-Partei gegen Tu-Nix-Koalition“.

Den Verfasser bekümmert es wirklich, dass Herr Gabriel sich nicht darum kümmert, aus seiner Partei der Kümmerer eine Partei zu machen, die sich um die Menschen kümmert. Der Kummer wird gross sein, wenn die SPD im Herbst 2013 ein kümmerliches Wahlergebnis nach Hause bringt.


Bestimmt fällt uns noch was ein und sonst freuen Sie sich doch einfach auf den nächsten Beitrag, wo wir uns mit dem Begriff des "gauweilern" beschäftigen wollen. Vielleicht besuchen Sie uns auch auf steinmerker.de, wo wir weitere Anmerkelungen zur Politik in Deutschland veröffentlichen.


Dieses Projekt wurde am 22. Oktober 2012 gestartet und wird hoffentlich kontinuierluch erweitert
Die letzte Änderung war am 26.04.2015

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